Archiv: Juni 1997

Fr Jun 06, 1997

Reif für die Klapse

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Reif für die Klapse - Über die Kinder- und Jugendpsychiatrie
Marie-Luise Knopp und
Klaus Napp
240 Seiten, ISBN 3-596-13405-6
Fischer (DM 16,90)




Reif für die Klapse

"Der nicht schlafende Traum frißt sich in meine Realität, meine Gedanken enden in einem Chaos. Unaufhaltsam verliere ich mich in einer Wirklichkeit, die ich mit niemandem teilen kann. Meine Erzählungen werden verwirrter, nicht mehr nachvollziehbar. Mein Gehirn "rattert" wie ein Uhrwerk - es ist schwer zu leben. Phantasien lasse ich zur Wirklichkeit werden. Die Gedanken saugen mich aus - ohne Pause, so daß ich keine Kraft, keine Reserven habe. Ich finde keine Ruhe mehr, keinen Schlaf. Schreckliche Einbildungen verfolgen mich: Das Essen ist vergiftet, ich darf nichts mehr essen. Oder ich habe die Vision, mein Kopf könne platzen, also schütze ich mich durch das Tragen eines Kopftuchs. Halluzinationen verfolgen mich: Viele Menschen sind in meinem Zimmer, einer liegt sogar in meinem Bett. Also kann ich mich nicht mehr hinlegen. Folge: totaler Realitätsverlust, Aufnahme in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, Diagnose: Psychose."

Der nicht schlafende Traum
Anna, 18

"Verrückt oder normal? Manche Leute ziehen lieber graue Pullover an, manche lieber bunte. Ich würde mich immer für die bunten entscheiden..."


Verrücktsein ist normal!
Campino, Leadsänger der "Toten Hosen"


"Klapse, Irrenanstalt, wie schrecklich! Daß ich selbst hier einmal landen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Wenn die Leute nicht wissen, daß ich in der Psychiatrie bin, behandeln sie mich ganz normal. Wissen sie aber von meinem Psychiatrieaufenthalt, gehen sie nicht mehr ungezwungen mit mir um. In den Köpfen der Menschen schwirren viele Vorurteile herum."
Es ist gar nicht so schlimm
Alan, 14


"In der pädagogischen Arbeit auf der Station nimmt die Soziotherapie einen großen Raum ein. Sie läßt sich am einfachsten mit drei Begriffen beschreiben: Aktivität, Freiheit und Verantwortung. In allen Bereichen erfahren die Jugendlichen Anleitung, Förderung und Unterstützung im Rahmen von Einzel- und Gruppenarbeit (z.B. verschiedene Stationsgruppen, Umgang mit Ausgang etc.). Für jeden Jugendlichen wird eine Bezugsperson (Bezugserzieher) benannt. Der Bezugserzieher ist besonderer Ansprechpartner für den Jugendlichen und pflegt einen intensiven Kontakt zu den Angehörigen. Er nimmt an Eltern- und Familiengesprächen/-therapien teil, stellt Kontakte zu Schulen, Jugendämtern, Heimen etc. her bzw. erhält diese aufrecht. Wichtige Dinge werden nach Möglichkeit nicht von einem Mitarbeiter allein, sondern im Team entschieden."
Gedanken über die pädagogische Arbeit auf der Station
Maritta Francis vom Kothen

Melody am 06. Juni 1997 | 00:14 Uhr | 0 Comment/s (4723) | 0 Trackbacks | Bücher


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