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Wie ein Buch entsteht

Ein Bericht von einer Lektorin des Fischer-Verlags

Wenn ein Buch fertig ist und die ersten druckfrischen Exemplare auf dem Tisch liegen, ist das vor allem ein ganz besonderer Moment - für die Autoren und Herausgeber, jedoch auch für die Beteiligten im Verlag. Doch bis zum fertigen Druckerzeugnis ist ein langer Weg. Und jedes Buch hat seine Geschichte, so auch "Reif für die Klapse?".

Es begann damit, daß ein ganz allgemein gehaltenes Anschreiben an den Fischer Taschenbuch Verlag eintraf. Im Verlags-Jargon nennen wir das ein "unverlangt eingesandtes" Angebot, von denen wir täglich zig bekommen, und die fast alle abgelehnt werden. Dieser Brief jedoch - handgeschrieben, auf einfachem Papier, ohne offiziellen Briefkopf oder durch Computer gestylt - nahm seinen Weg, und da "eine Art Ratgeber" geplant war, landete er schließlich auf meinem Schreibtisch, im Ratgeber Lektorat.

In diesem Brief erzählte die Lehrerin Marie-Luise-knopp von der Zeitschrift "Klapse", die dort gemacht wird, um Vorurteile gegenüber der Kinder- und Jugendpsychatrie abzubauen, und sie berichtete von ihrem ersten, gerade geschriebenem Buch "Wenn die Seele überläuft" mit Texten von Jugendlichen aus der KJP. Nun machte sie uns das Angebot, ein Buch zu veröffentlichen, eben "eine Art Ratgeber", in dem Fachleute (Ärzte, Psychologen, Lehrer), Eltern und betroffene Jugendliche zu Wort kommen, aus ihrer Sicht schreiben, auf Möglichkeiten der KJP eingehen und Hilfen für Betroffene und Angehörige aufzeigen sollten.

Und irgendwie klang das interessant.... Wir telefonierten miteinander, und Frau Knopp schickte mir ein Exemplar von "Wenn die Seele überläuft" - ich las und war beeindruckt, gefangen genommen von der Aussagekraft der Texte - doch wie sollte der Ratgeber aussehen? Wir telefonierten in der Folge noch oft und gingen an die Arbeit. Die Herausgeber, Marie-Luiese Knopp und Klaus Napp, füllten Ihre Ideen mit Inhalten, suchten Autoren und Texte aus, schickten mir erste Kapitel zur Lektüre, griffen Veränderungswünsche ihrer Lektorin auf, schrieben um und neu - schließlich war es soweit.

Das Ergebnis liegt nun vor uns: "Reif für die Klapse?" ist ein "anderer" Ratgeber, denn er ist nicht allein von einer Fachfrau oder einem Fachmann geschrieben, er tritt nicht mit dem Anspruch an, ein Problemgebiet systematisch zu "beackern" (im Gegensatz zu den vielen Ratgebern, die einzelne psychische Störungen oder die verschiedenen Therapieformen untersuchen), sondern es ist ein Buch gegen Vorurteile, die aus Unverständnis und Unwissenheit heraus entstanden sind. "Reif für die Klapse" geht gegen das Tabu-Thema Kinder- und Jugendpsychatrie an, indem es sich aus verschiedenen Blickwinkeln heraus an ein breites Publikum wendet: Betroffene Jugendliche und Eltern werden über die Notwendigkeit eines KJP-Aufenthalts aufgeklärt, Fachleute (Ärzte) erfahren durch die Stimmen der Jugendlichen aus erster Hand, wie es in der KJP aussieht, wie Betroffene sie erleben, wo die Vor- und Nachteile liegen und was verbessert werden könnte.

Der Taschenbuch Verlag hat eine große Tradition im Bereich Psychologie. Das bedeutet aber auch Verantwortung und die Verpflichtung, sich den Themen anzunehmen, die nicht einfach und bequem, die nicht "mainstream" sind. Das Thema Kinder- und Jugendpsychatrie ist wichtig und brisant, und deshalb bin ich sehr froh darüber, daß es zu dieser Zusammenarbeit kommen konnte.Ich möchte mich bei den beiden engagierten Herausgebern bedanken, die alle Texte mehrfach vor- und mitdirigiert haben (und mir damit sehr viel Arbeit abgenommen haben), und die zudem zwei hochkarätige Vor- und Nachwortschreiber gewinnen konnte.

Herzlichen Dank an die Fachautoren, vor allem aber an die betroffenen Jugendlichen, für ihren Mut, mit ihren ganz persönlichen Schicksalen an die Öffentlichkeit zu gehen, um aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Gerade durch ihre Authentizität ragen diese Texte hervor. Dem Buch wünsche ich, daß es möglichst zahlreiche Leser (und Käufer) finden möge.

Karin Herber-Schlapp
Fischer-Verlag

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