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Ich wollte niemals dünn sein

Bericht einer Magersüchtigen aus der KJP in Wilhelmshafen

Bild Mein Name ist Shary, und ich bin 16 Jahre alt. Ich lebe seit dem 28. August 1996 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wilhelmshafen. Wie es dazu kam: Dick war ich eigentlich noch nie, auch wenn der eine oder andere mal gesagt hat, was ich doch für einen dicken Hintern hätte. Das hat mich nie sonderlich gestört. Jetzt wundert ihr euch bestimmt, wie ich magersüchtig wurde! Ich bin am 20. Januar 1996 mit einem Jungen zusammen gekommen, der auf den ersten Blick sehr nett aussah. Dem war aber nicht so, denn am 30..Januar 1996 waren wir allein bei mir zu Hause, saßen i meinem Zimmer und guckten Fernsehen. Nach einer Weile stand er auf, ging zu meiner Tür, schloß sie ab und steckte den Schlüssel ein. Dann sagte er plötzlich zu mir, daß er mit mir schlafen wolle, was ich aber sofort verneinte. So bat ich ihn, die Türe zu öffnen, doch er hörte nicht auf. Ich stand auf, ging zur Terrassentür und versuchte sie zu öffnen. Auf einmal stand er hinter mir und drohte mir. So ging ich zurück zu meinem Sessel und blieb sitzen! Er drängte immer mehr und sagte, wenn ich nicht mit ihm schliefe, käme ich sowieso nicht raus. So habe ich, dummer Weise, mit ihm geschlafen. Es tat sehr weh und ich habe die ganze Zeit geweint, doch das störte ihn nicht. Am nächsten Morgen habe ich dann den Schlüssel gesucht und ging ersteinmal unter die Dusche. Als er eine Stunde später wach wurde, habe ich mich auf der Toilette eingeschlossen. Er rief die ganze Zeit nach mir, und irgendwann kam ich dann aus der Toilette heraus. Er fragte mich, wo seine Sachen seien, und ich sagte ihm, ich hätte sie rausgeworfen. Er ging, ohne zu fragen. Als er draußen stand, knallte ich die Türe zu und schloß sie ab. Damit war das Thema „Beziehung“ erledigt.

Wie kam es aber nun zur Magersucht?

Ich hatte Angst, daß ich schwanger war und konnte mit niemandem darüber reden. Weil ich mir total sicher war, daß ich schwanger sei, habe ich nichts mehr gegessen, damit das Kind in mir stirbt. Ich wurde immer dünner und dünner. Bis ich am Ende nur noch 40 kg wog. Meine Mutter muß wohl gemerkt haben, daß mit mir etwas nicht stimmte und brachte mich unter einem anderen Vorwand zum Arzt, was eigentlich auch ganz gut war. Der merkte natürlich sofort, daß ich magersüchtig war und schickte mich mit meiner Mutter in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Davon wußte ich überhaupt nichts. Am Anfang war ich total sauer und nahm noch weitere 5 kg ab, bis ich zum Schluß nur noch 35 kg wog. Jetzt bin ich schon ein halbes Jahr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und habe schon 14 kg zugenommen. Die Zeit in der Psychiatrie hat mir sehr geholfen, denn allein wäre ich da niemals mehr heraus gekommen. Ich bin meiner Familie, meinen Freunden und der Station sehr dankbar für alles, was sie für mich getan haben!

Shary, 16

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