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Das kleine Mädchen und der Baum

Eines Tages ging ein kleines Mädchen über eine große Wiese und sah auf einem großen Hügel einen alten Baum, der wie abgestorben aussah. Sie näherte sich dem Baum und sah, wie nur ein einziges grünes Blatt an einem Ast hing.

Sie setzte sich an den Baum und plötzlich schlief sie ein. Nach einer Zeit hörte sie eine Stimme, die rief: "Hallo, kleines Mädchen." Das Mädchen öffnete langsam die Augen und sah sich nach jemandem um, der sie gerufen haben könnte. Aber es war niemand zu sehen. Sie rief:

"Wer ist da?"

Plötzlich ertönte wieder die Stimme. Diesmal rief sie:

"Kleines Mädchen, ich bin es, der Baum."

"Ein sprechender Baum," rief sie, "das gibt es doch gar nicht."

Sie schaute sich den Baum genau an und plötzlich fing der Baum an, ihr seine Lebensgeschichte zu erzählen. Das Mädchen setzte sich vor dem Baum und hörte ihm einfach nur zu.

"Ich wurde vor 125 Jahren gepflanzt. Ich habe viel erlebt. Früher kamen immer Leute zu mir und haben mich gepflegt. Aber seit einigen Jahren kommt keiner mehr. Die Leute, die mich damals gepflegt haben, sind alle gestorben. In der letzten Zeit war ich immer allein."

Einige Wochen später, das kleine Mädchen hatte sich mit dem Baum angefreundet, braute sich ein furchtbares Gewitter zusammen und das Mädchen machte sich große Sorgen um ihren Freund, den Baum. Sie hielt es vor Sorge nicht mehr aus und rannte aus dem Haus auf die große Wiese. Von Weitem schon sah sie ein großes Feuer. Ihr Freund der Baum stand in Flammen und sie fing an zu weinen. Als die Glut erloschen war, ging sie nach Hause.

Am nächsten Tag ging sie mit Tränen in den Augen erneut zu ihrem Baum. Aber als sie ein grünes Blatt aus der Asche wachsen sah, waren alle Tränen vergessen. Sie dachte sich: Leben geht und Leben entsteht.

Andreas, 16, in: Die Sp(r)itze, SfK Datteln

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