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In meinen Gedanken vertieft...

... sitze ich mal wieder ganz allein in diesem Raum. Leise ertönt die Musik und die Bilder an der Wand gucken mich an. Nur ein Stuhl ist vorhanden, und auf diesem sitze ich. Ich rauche meine Zigarette und bin mit meinen Gedanken allein. Aber wie komme ich immer wieder in diesen Raum? Meine Gedanken sind doch eigentlich, dass ich nie allein sein will, doch ich bin es immer. Das Gefühl, von allen verlassen zu sein, bringt mich hierher. Aber eigentlich bin ich gar nicht verlassen. Außerhalb dieses Raumes warten zig Personen auf schöne Dinge, denen ich mich widmen könnte - doch ein Hindernis steht dazwischen. Und ich habe Angst, dieses Hindernis zu überwinden. Es ist zwar nicht besonders hoch - doch für mich ist es eine Qual, darüber nachzudenken, wie ich das Hindernis überwinden könnte. Diese Qual steigt auf wegen einer höllischen Angst vor Unverständnis. Ich brauche das Verständnis von diesen Dingen, die hinter diesem Hindernis stehen, um über meinen Schatten springen zu können. Doch genau das ist es, was ich nicht tun kann. Ich versage immer wieder, wenn ich auf etwas zugehe, weil ich auf dem selben Wege wieder umkehre. Ein Versager zu sein bringt mich zum Schreien, aber ich kann bzw. darf nicht schreien. Ich bin doch kein kleines Kind mehr, das wegen jedem Scheiß anfängt zu schreien - vielleicht auch noch um Hilfe. Nein, das überwinde ich einfach nicht. DAnn sehe ich lieber zu, wie das Hindernis immer größer und schwerer wird. Ich kann es dann erst recht nicht überwinden, aber noch ist die Zeit nicht reif, den Personen oder Dingen in die Arme zu laufen. Das schaff ich noch nicht.

Aber eigentlich könnten die Personen, die so sehnsüchtig auf mich warten, auf mich zukommen. Warum machen die das denn nicht? Schließlich haben sie mir ja geholfen, das Hindernis aufzubauen. Sie waren mir sogar eine sehr große Hilfe. Aber kann ich ihnen dafür dankbar sein? Nein, das kann ich nicht. Das wäre dann für die anderen nicht in Ordnung, aber was ist dann mit mir?

Ich muss wohl oder übel in diesen Raum. Das ist kein Problem für mich. Denn hier fühle ich mich wohl. Ich schließe einfach die Tür, setze mich auf den einzigen Stuhl, zünde mir eine Zigarette an und denke erneut darüber nach, wie das Leben eines Versagers, der voller Angst steckt, wohl weiter gehen mag. Ich liebe diese Gedanken nicht so sehr, aber ich kann an nichts anderes denken - vielleicht an ein Stück Torte.

Aber irgendwann muss ich doch mal raus - hinter dieses verdammte Hindernis. Obwohl ich mich sehr wohl hier fühle, so allein mit meinen Gedanken. Aber was soll denn aus mir werden?

Julia B., 16, Die Ver-Rückten, Rostock

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