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Reif für die Gesellschaft?

Das fragen wir uns oft selbst.

Unser selbstzerstörerischer Drang scheint dem zu widersprechen. Und dennoch sollen wir auf die Welt "da draußen" vorbereitet werden. Ist dies das Ziel einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie?

Die Gesellschaft ist ein System, in dem wir funktionieren müssen. Momentan sind wir jedoch Rebellen, die sich nicht mit ihrer Situation abgeben und dies auf drastische Weise verdeutlichen. Sollen wir hier "resozialisiert" werden, damit wir angepasst sind und nicht als Außenseiter der Gesellschaft dastehen?

Ist es aber nicht viel wichtiger, dass es uns psychisch wieder besser geht? Dass wir wieder Spaß am Leben haben und Motivation für die Zukunft entwickeln, dass wir uns Ziele setzen, auf die es sich lohnt hinzuarbeiten? Vieles scheint dem zu widersprechen. Wenn man öfter in der Klinik ist oder länger als gewöhnlich bleibt, bekommt man von den Betreuern oft Sätze zu hören wie: "Was willst du denn schon wieder hier?", "Wann wirst du denn endlich entlassen?"...

Ist es für sie eine persönliche Schmach, dass die vielen Gespräche mit uns anscheinend nicht geholfen haben?

Sind sie an ihrer Grenze, wenn sie sagen, dass uns eh nicht mehr zu helfen sei, dass wir hoffnungslose Fälle wären?

Oder ist es eine spezielle pädagogische Maßnahme, um uns zu motivieren, etwas an unserer Situation zu ändern?

Doch, das tun wir doch schon! Wir gehen in die Reit-, Schwimm- und Ergotherapie, wir führen Familien- und Einzelgespräche, wir lernen zu den Betreuern zu gehen, wenn es uns schlecht geht und unser Innerstes zu offenbaren.

Die Psychiatrie ist zwar ein Schutzraum, aber das heißt nicht, dass wir uns ausruhen.

Wir setzen uns mit uns auseinander, führen innere Kämpfe, müssen die Probleme letztendlich allein bewältigen, auch wenn wir Hilfe und Unter-stützung bekommen.

Wir brauchen aber auch Leute, die an uns glauben, wenn wir es selbst nicht können, auch wenn es uns noch so schlecht geht. Wir möchten nicht alle Betreuer über einen Kamm scheren, aber wir haben den Eindruck, dass es manchen Betreuern wichtiger ist, dass wir beim Essen gerade sitzen, als dass es uns gut geht.

Und auch wenn jemand öfter in die Klinik zurückkommt, warum können die Betreuer das nicht akzeptieren und mit dieser Person mit der gleichen Motivation wie früher weiterarbeiten? Wir werden nicht von dem einen auf den anderen Tag "geheilt", oft kann es mehrere Jahre dauern.

Für die Zukunft wünsche ich mir, mehr Verständnis für meine Situation zu bekommen. Ich bin ja nicht so, wie ich bin, um die Betreuer zu ärgern, sondern weil es mir in diesem Moment schlecht geht.

Es wäre echt schön, wenn sich das ändern könnte...

Idgie, 17, Irre,Mensch!!, Kassel

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