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Krebs

Zur Zeit durchlebe ich wohl die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich liege hier in Rostock auf Station 4 der Kinder- und Jugendklinik. Auf dieser Station sind vorrangig Kinder und Jugendliche mit Leukämie und Tumoren. Ich bin hier, weil ich einen Tumor in der Lunge habe. Als man mir am 07.01.99 sagte, dass sich ein Tumor in meiner Lunge befindet, hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukommt. Wer beschäftigt sich denn schon aus freien Stücken mit der Krankheit Krebs?

Ich dachte, die Chemotherapie dauert zwei Monate. Nach endlosen sieben Wochen des Wartens und vier operativen Eingriffen kam die genaue Diagnose. Ich habe ein Nephroplastom, auch Wilms-Tumor genannt. Ein Nephroblastom ist ein Nierentumor, der bei mir aber in der Lunge sitzt. Dies ist sehr selten und in Rostock gab es so einen Fall noch nie. Meine Chemotherapie dauert ein halbes Jahr. Zurzeit stecke ich in der vierten Chemowoche und bekomme zusätzlich noch Strahlentherapie. Die Chemo und die Strahlen machen den Körper total schwach. Es ist ein beschissenes Gefühl, wenn man merkt, dass der einst so sportliche Körper so schlapp ist.

Als ich letztes Wochenende zu Hause war, saugte ich mein Zimmer ab. Danach war ich voll kaputt. Das war ein ganz schön komisches Gefühl, nach dem Staubsaugen total außer Atem auf der Couch zu liegen. Wenn ich mir überlege, dass ich noch vor ein paar Monaten normal leben konnte, dann steigen mir die Tränen in die Augen.

Durch die Chemo darf ich keine Freunde sehen. Wenn ich zu Hause bin, fühle ich mich, als wenn ich unschuldig im Gefängnis sitze.

Manchmal frage ich mich, warum gerade ich diese Krankheit habe. Womit habe ich das verdient?

Wenn man zum Beispiel eine Grippe kriegt, kann man sich sagen, dass man sich keine Impfung gegen das Grippevirus geholt hat oder, dass man nicht warm genug angezogen war. Was kann man für die Krankheit Krebs? Deshalb fühle ich mich so unschuldig. Das muss ich noch fünf Wochen durchhalten. Ich weiß, fünf Wochen hören sich nicht lange an, aber es sind fünf Wochen der Angst. Denn leider ist das Haareverlieren nicht die einzige Nebenwirkung der Chemotherapie, sondern auch das Brechen. Ja, ich habe totale Angst, dass ich brechen muss. Das macht die fünf Wochen so lang für mich.

Wenn ich das geschafft habe, dann habe ich das Schlimmste hinter mir. Da man mir Medikamente ambulant verabreichen kann, bin ich zum Ende der Therapie oft zu Hause. Dass ich gesund werde, war mir immer klar. Und die Tatsache, dass ich nach meinen 16 Wochen Krankenhausaufenthalt so gut wie nur noch ambulant versorgt werde, macht mir sehr viel Mut.

Auf diesem Weg möchte ich mich beim Team der Onkologie/Hämatologie für die Betreuung danken. Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Mutti, für jeden Tag, den sie an meiner Seite stand.

Kathrin, 17 Jahre

Wolken
wie Watte
groß, weiß,
hoffnungsvoll
sie fangen mich auf
gerettet

Hanni, 15 Jahre

Liebe Kathrin,
vielen Dank für deine Geschichte. Dieses Gedicht schrieb eine unserer Mitschülerinnen. Beim Lesen mussten wir an dich denken. Wir wünschen dir alles, alles Gute.

Die Ver-Rückten, Rostock

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