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So wurde ich so

Ich war 4 Jahre alt, als meine Eltern sich geschieden haben, weil mein Vater eine Menge Mist gebaut hat. Meine Mutter fand einen neuen Mann und er zog auch mit ihr in die Wohnung. So kam es dann dazu, dass meine damals 6 Jahre alte Schwester und ich zu meinem Vater zogen. Mein Vater zog mit uns in eine andere Wohnung und von da aus dann in die Wohnung seiner neuen Freundin. Da lief anfangs eigentlich noch alles glatt. Die Freundin hatte auch eine Tochter und meine Schwester hatte Zoff mit ihr. Als mein Vater dann nach Hause kam und das hörte wurde er gleich sauer.

Er ging auf meine Schwester zu, packte sie am Kragen, schmiss sie gegen die Heizung, trat noch ein paar Mal zu und dann war Stille.

Nur noch ein leises Wimmern meiner Schwester war zu hören, die wohl zu viel Angst hatte, lauter zu weinen. Mein Vater ging dann, ohne irgendwelche Reue zu zeigen, aus dem Raum und ließ meine Schwester dort liegen. Ich, der das alles vom Türrahmen aus gesehen hatte, rannte zu ihr hin und wollte sie trösten. Als mein Vater kam legte ich mich schützend über sie. Er knallte mir eine und sagte: "Verschwinde".

Ich rannte in mein Zimmer und versteckte mich im Schrank. Später hatte er sich zwar entschuldigt aber diesen Tag werde ich nie vergessen.

Ein paar Wochen später hatte er dann Streit mit seiner Freundin und sie beendeten die Beziehung. Wir zogen in die Nachbarwohnung. Da mein Vater arbeiten musste, hatte er nie Zeit für mich und meine Schwester.

Manchmal duften wir zwar zu unserer Tante aber meistens hatte er uns in der Wohnung eingeschlossen und das manchmal sogar mehrere Tage lang.

Und man muss überlegen: Ich war gerade mal 5 Jahre und meine Schwester 7 Jahre alt. Einmal hatten wir vor lauter Hunger sogar fast Tabak gegessen, aber in dem Augenblick kam unser Vater wieder, sonst wäre das unser Tod gewesen. Mein Vater hatte seine Fehler immer noch nicht bemerkt, sondern das ging noch Monate lang so, bis meine Tante dem Jugendamt Bescheid sagte. Die brachten uns dann in ein Heim. In dem Heim waren wir ein halbes Jahr. Mein Vater besuchte uns zwar ab und zu mal und meine Mutter auch aber das war auch nicht so das Wahre. Mit 6 Jahre kam ich dann in ein anderes Heim und meine Schwester auch. Dort verlief es aber auch nicht so gut für mich. Meine Schwester entwickelte sich prächtig und ihr ging es wohl auch gut. Ich dagegen hatte immer meine Vergangenheit im Kopf und war auch so der ruhige Typ, mit dem man alles machen konnte.

Mit 11 Jahren kam ich dann in eine AWG, weil meine Erzieher wollten, dass ich erwachsener und selbständiger werde.

Da mein Vater sich, seitdem ich 10 Jahre alt war, nicht mehr gemeldet hatte, ging es mir noch schlechter. Als ich dann 12 Jahre alt war, hatte er sich immer noch nicht gemeldet und ich dachte schon, er wäre gestorben.

So kam es, dass ich noch kleiner und schwächer wurde und dass man noch mehr mit mir machen konnte. So wurde ich zu einem Sexualverbrecher, denn jetzt wollte ich mal der Stärkere sein.

Als ich 13 Jahre alt war, meldete sich mein Vater durch einen Brief, der sagte, er sei im Gefängnis. Ich nahm wieder Kontakt zu meinem Vater auf. Mit meinen Straftaten hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht aufgehört und so kam ich mit 14 Jahren ins Bosch-Haus.

Mit starkem Willen und Unterstützung meines Vaters habe ich eine Menge an mir gearbeitet, an meiner Beziehung zu meinem Vater gearbeitet und bin jetzt ein vollkommen anderer Mensch.

Wenn ich entlassen werde, möchte ich in eine WG ziehen, die 10. Klasse beenden und später einmal Elektriker werden. Die Beziehung zu meinem Vater werde ich aber weiterhin gut halten.

So, das war mein bisheriges Leben. Ich glaube, ich werde noch eine Menge schlechte aber auch gute Erlebnisse haben, aber durch meine Therapie weiß ich nun, wie ich sie überwinden kann.

Ehemaliger Bosch-Haus Patient, 15, Knalltüte, Viersen

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