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Wieder nach "draußen"... und dann???

Jetzt bin ich schon seit sechs Monaten auf der neuen Schule.

Seit sechs Monaten gehe ich wieder regelmäßig in den Unterricht , mache Hausaufgaben und schreibe Arbeiten mit. Seit neun Monaten bin ich nicht mehr stationär in der Klinik gewesen! Seit neun Monaten esse ich regelmäßig ohne die Krise zu bekommen! Seit neun Monaten bekomme ich meinen Alltag mehr und mehr geregelt. Seit fünfzehn Monaten ritze ich mir nicht mehr die Arme auf! Seit fünfzehn Monaten nehme ich keine Tabletten mehr haufenweise ,weil ich mein Leben nicht mehr aushalte! Seit fünfzehn Monaten löse ich Krisen und Probleme, ohne mir zu selbst zu schaden!!!!!!!!

Für viele mag das alles normal sein und komisch klingen, dass ich all dies erwähnen muss. Aber für mich waren alle diese Dinge lange Zeit weder normal, noch Alltag, noch einfach zu machen. Für mich waren diese Dinge schwer.

Ich ging nicht mehr zur Schule, aß nichts mehr, ritzte mir die Arme auf, wollte sterben und nahm Medikamente, um Depressionen aushalten zu können. Das war für mich Alltag!

Seit fünfzehn Monaten ist das anders, seit fünfzehn Monaten nehme ich mein Leben immer mehr in den Griff und mit jedem Tag schaffe ich es ein bisschen besser! Der Wechsel aus dem R K Bonn ins "normale" Leben war schwer und mit vielen Hochs und Tief verbunden. Ich habe lange gebraucht, bis ich mir nicht mehr die Arme aufschneiden musste, aber auch lange, um nicht mehr in die R K Bonn zu müssen. Es war abgemacht, dass ich erst einmal noch zur Paul-Martini-Schule gehe und weiterhin in die Ambulanz zu meiner Therapeutin. Da ich ziemlich lange und oft da war, konnte ich mich schwer trennen. Das klingt vielleicht auch blöde, aber es ist so. Wenn man lange Zeit (über Monate oder Jahre) vor Problemen den einzigen Ausweg in seiner Störung und dem damit verbundenen Aufenthalt in dem R K Bonn sieht, ist es schwer, sich neue Wege zu suchen, sich darauf einzulassen und die alten Wege loszulassen. Dafür braucht jeder so seine Zeit und bei mir war es Anfangs so, dass ich noch zur Paul-Martini-Schule gegangen bin und damit auch nicht direkt ganz weit weg war. Dann bin ich regelmäßig dorthin gegangen, habe mich auf Schule eingelassen, mein Konflikte lösen gelernt und nach und nach eine Orientierung nach "außen" zugelassen.

Dann kam ich auf meine jetzige Schule. Ich stellte mich vor, wurde probeweise aufgenommen und bin jetzt fest hier. Die ersten zwei bis drei Monate war es sehr schwer. Ich musste viel nachlernen, war zwar notenmäßig ganz gut, aber es war trotzdem hart und benötigte Zeit. Nebenbei wollte ich dann auch in der Klasse gut ankommen. Da ich manchmal sehr empfindlich bin und Sachen unnötig auf mich beziehe, verstand ich vieles falsch und die anderen dann auch. Irgendwann redeten wir darüber und klärten die Sache, so daß ich mich jetzt richtig wohl fühlen kann.

Mittlerweile gehe ich auch auf Partys am Wochenende oder in den Ferien, was mir richtig Spaß macht und was ich mich vorher niemals getraut hätte!

Ich denke, dass ich mein Leben jetzt mit jedem schönen Tag mehr mag und genießen kann. Klar gibt es Tage, an denen ich nur heulen könnte, aber das geht auch wieder vorbei. Ich gehe dann einfach zu einer Freundin oder zu einem Erzieher, heul' ne Runde, lass mich in den Arm nehmen und dann ist es auch meistens wieder gut. Ich gucke hin, wo es weh tut, lass es zu, rede darüber und kann dann auch was dran machen. Es hilft einfach, wenn man Menschen um sich herum hat, die man mag und mit denen man reden und nach Lösungen suchen kann, so wie meine Erzieher und jetzt meine Freunde! Das hat mir auch geholfen zu gehen und die RK Bonn hinter mir zu lassen. Bald ziehe ich in mein eigenes Appartement, auf das ich mich schon lange freue!!!!!!

B. 18, Psycho-Times, Bonn

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