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Hier sind wir Menschen, nicht nur Schüler

- die "Schule für Kranke" aus meiner Sicht

Als es hieß, ich soll vorläufig mit der Schule aufhören und in die Tagesklinik gehen ,war ich alles andere als begeistert. Allerdings wusste ich auch, dass ich es ohne Therapie nicht schaffen würde. Also entschied ich mich schweren Herzens dafür.

Wie es von nun an mit der Schule laufen würde, wusste ich nicht. Deswegen machte ich mir unheimliche Sorgen. Einerseits hatte ich Angst, wieder unter Leistungsdruck zu stehen, andererseits wollte ich auch nicht den Anschluss zu meiner Klasse verpassen.

An meinem ersten Tag blieb ich in der Tagesklinik, hatte keine Schule. Als ich dann hörte, wir würden in Gehlsheim unterrichtet, war ich ziemlich entsetzt. Ja ,ich hatte Vorurteile, große sogar. In meinem Kopf spielten sich die merkwürdigsten Filme ab. Von total abgedrehten Kindern, überforderten Lehrern und einem riesengroßen Chaos.

Und dann kam ich zum ersten mal her. Ich weiß noch genau, wie ich im Flur saß, ich fühlte mich verloren und beobachte nur. Von meiner Schule her bin einen ziemlich hohen Standard gewohnt. Teppichboden in allen Räumen, neue Möbel überall, großzügig aufgeteilt Räume und ausgestattet mit modernster Technik. Da bietet diese Schule hier schon ein anderes Bild. Die Räume sind nicht wirklich für Unterricht konzipiert.

Alles ist beengt und klein und es ist manchmal ziemlich anstrengend, es 45 Minuten in so einem Raum auszuhalten. Die Fassaden der Gebäude sehen teilweise wirklich schlimm aus und im allgemeinen haben das Mobiliar und die Fußböden schon ziemlich gelitten. Das alles sah ich in den ersten Tagen und zugegeben, ich war ziemlich frustriert.

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Aber irgendwie sehe ich das alles heute ganz anders.

Sicher, die Räume sind immer noch zu klein und gestrichen wurde natürlich auch noch nicht. Aber inzwischen sind es andere Dinge, die mir auffallen, wenn ich mich in der Schule umschaue.

  • Ich sehe, dass sich viele Leute verdammt viel Mühe geben, um aus dem wenigen was da ist, etwas zu machen.
  • Ich sehe, dass alle viel bewusster und vorsichtiger mit allem umgehen und ich sehe, dass man viel Liebe und Zeit aufwendet ,um es hier so schön wie möglich zu gestalten.
  • Wenn ich heute in meine Schule gehe, muss ich ganz ehrlich sagen, sehe ich die jetzt etwas kritischer. Irgendwie finde ich es dort steril und kalt.
  • Das liegt nicht nur daran, dass alles größer ist und im Gegensatz dazu weniger Bilder rumhängen.

Das liegt an der Atmosphäre.

Ich finde die Lehrer an unserer "Klapsenschule" sind wirklich einmalig. Das schreib' ich jetzt einfach mal, auch wenn einige (schönen Gruß an Anja ) wieder sagen werden, dass ich ein Lehrerschleimer bin.

Aber es ist wirklich so. Die Lehrer an meiner Schule sind auch alle okay, aber keiner würde sich einfach so zehn Minuten Zeit nehmen für ein unterrichtsfernes Gespräch oder gar seine private Telefonnummer rausrücken.

Die Lehrer hier sehen in uns in erster Linie Menschen und nicht nur Schüler und mir persönlich tat es verdammt gut, auch einmal nach inneren Werten und nicht nur nach Noten und Leistungen beurteilt zu werden.

Meine Zeit an der Schule für Kranke ist nun bald zu Ende und ich weiß, dass der Abschied sehr schwer für mich sein wird.

Ich möchte allen Lehrern hier danken, dafür, dass sie den Druck von uns nehmen und uns Mensch sein lassen.

Dana, 17, Die Ver-Rückten, Rostock

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