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Keiner wollte mir glauben!

Valentina, 16, leidet darunter, dass ihre Zwänge nicht ernst genommen wurden

Bild Heute war mein allererster Tag hier in der Tagesklinik. Man ich war ganz schön aufgeregt!
Alles so neu und fremd. Ständig fragte ich mich, ob ich gut aufgenommen werde, ob die anderen mich mögen oder ob ich sie mag.

Alles fing mit der ersten Klasse an. Dieser Zwang zur Bewegung, zu dieser unkontrollierbaren Bewegung.

Zunächst war es nur der Hals, der gestreckt werden wollte.
Doch mittlerweile sind zehn Jahre vergangen und diese zwanghaften Bewegungen haben sich auf den ganzen Körper ausgedehnt.
Jetzt ist es nicht nur der Hals. Es beginnt bei den Augen , mit denen ich klimpern muss, danach folgt ein Nasenrümpfen, wenn ich dann vom Kopf bis zum Fuß alle Muskeln angespannt und bestimmte Schleuderbewegungen gemacht habe, bin ich fast schon fertig. Nun fehlt nur die bestimmte Atemtechnik und ein angenehmes Gefühl tritt ein.
Durch den langen Zeitraum habe ich gelernt, damit umzugehen und vor allen Dingen es einiger maßen zu unterdrücken oder es in meine normalen Bewegungen mit einzubauen.
Abends aber dann falle ich so erschöpft ins Bett und mein ganzer Körper schmerzt mir.
Besonders, wenn ich unter Stress stehe oder Streit habe bzw. es mir schlecht geht ist es extrem schlimm und wenn es dann mal nicht zu unterdrücken ist, dann treffen einen schon mal seltsame Blicke von anderen.
Meine Eltern dachten es wäre eine Manie und ich hätte mir diese Zuckungen ausgedacht und ich könnte es einfachso stoppen. Doch das funktionierte nicht!

Selbst die Ärzte meinten es wäre eine Manie und es würde schon vorübergehen.
Im letzten Jahr wurde es auf Grund von Schulstress und anderen persönlichen Problemen so schlimm mit mir, dass man es mit epileptischen Anfällen hätte vergleichen können.
Da endlich glaubten mir meine Eltern und gingen mit mir in eine angesehen Praxis. Schon nach dem ersten Gespräch stand die Diagnose fest.

"Chronische Ticks" bzw. "beginnendes Tourette_Syndrom".
Sofort wurden einige Tests mit mir gemacht und plötzlich hieß es auch, ich sei nicht einfach nur dick, weil ich zu viel esse sondern, weil ich mich mit dem Essen getröstet habe. Ich hatte enorm zugenommen. Mittlerweile habe ich aber schon wieder 14 Kilo abgenommen und mache mit Erfolg weiter. Es stärkt mich und es hat mir mein Selbstvertrauen wieder-gegeben. Ich traue mich jetzt auch wieder meine Meinung zu sagen und etwas alleine zu machen. Eine große Last ist von mir gewichen.
Nach dieser Diagnose sollte ich eigentlich Medikamente bekommen, doch meine Eltern waren strikt dagegen und suchten nach anderen Lösungen. Gefunden haben sie dann diese Tagesklinik.
Anfangs habe ich mich geweigert hierhin zu gehen. Ich wollte auf keinen Fall meine Freunde verlassen und mein gewohntes Leben behalten. Aber nach langen Überlegungen habe ich mich dann doch dafür entschieden, denn was würde es mir bringen, wenn meine Krankheit nur symptomatisch behandelt würde.
Mein eigentliches seelisches Problem - mein Perfektionismus in Sachen Schule, Hausaufgaben und im Umgang mit anderen - wäre nicht behoben.
Deshalb bin ich freiwillig hier, um diesem Druck und diesem Zwang endlich los zu werden und damit umzugehen. Nun habe ich einige Monate vor mir, doch ich schaffe das, obwohl es eine große Umstellung ist oder wird. Angst habe ich nun kaum mehr,
Denn alleine ist man nie!

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