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Ich bin magersüchtig

Eliana, 12 wollte schlank sein, um endlich beachtet zu werden

Bild Angefangen hat es bei mir im Sommer. Als ich am letzten Schultag aus der Schule gekommen bin, habe ich mir gesagt: "In den Ferien wird alles anders!"
Ich wollte nicht mehr die zurückhaltende Streberin und von keinem beachtet sein!
Ich nahm mir vor, richtig gebräunt und schlank aus dem Urlaub in Frankreich zurückzukommen.
Zwei Tage nach der Ankunft begann ich meine Diät. Erst reduzierte ich mein Essen nur ein bisschen, achtete darauf mir nicht mehr ganz so viel aufs Brot zu schmieren.
Damals war mein Essverhalten noch relativ normal, zwischendurch konnte ich mir ohne viel darüber nachdenken zu müssen auch mal ein Stück Kuchen nehmen.
Schlimmer wurde es dann, als ich wieder nach Hause gekommen bin. Ich strich mir jegliche Zwischenmahlzeiten und achtete darauf, dass ich zum Frühstück und Abendessen, keinesfalls mehr als ein Brötchen oder eine Schnitte Brot aß.
Zudem informierte ich mich was mehr und was weniger Kalorien hat. Bald standen auf meinem Speiseplan nur noch Gemüse und Obst.
Nun hatte auch meine Mutter etwas bemerkt. Sie redete mit mir und machte
sich wahnsinnige Sorgen, doch ich wollte von all dem nichts wissen.
Oft dachte ich: "Was haben die denn alle? Mit mir ist doch alles in Ordnung, ich will nur ein bißchen abnehmen!"
Also ignorierte ich alle Rückmeldungen und zog weiter mein Programm durch. Ich wurde immer dünner und dünner bis meine Mutter es nicht mehr aushielt und mit mir zu unserem Kinderarzt ging.
Doch der beruhigte uns, ich wurde gewogen und er behauptete, dass ich mit 39,9 kg bei einer Größe von 1,62 m nur 1kg unter dem Mindestgewicht lag (was totaler Unsinn war).
So fühlte ich mich in meiner Meinung unterstützt und nahm weiter jede Woche 0,5-1 kg ab.
Auch meine Klassenkameraden und Lehrer fragten nach, doch ich behauptete, alles wäre in Ordnung. Das sagte ich mir auch selber, bis zu dem Tag, an dem ich
das erste Mal eine Klinik besichtigen musste. Der Arzt schlug eine Vorstellung beim Evangelischen Krankenhaus vor.
Dort fand ein ich es grauenhaft und begann sogar aus Angst wieder ein bißchen mehr zu essen. Doch das hielt nicht lange an, so dass der Arzt eine untere Grenze setzte, bei welcher ich eingewiesen werden sollte. Mein Vater schlug eine andere Klinik vor, welche wir uns auch anschauten.
Dort gefiel es mir sehr viel besser und ich verkündete, dass ich, falls ich eingewiesen werden sollte, lieber in diese Klinik, eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, eingewiesen werden wollte.
Doch ich selber habe nie daran gedacht wirklich eingewiesen werden zu können. Selbst als der Arzt es mir dann sagte und meine Mutter die Einweisung schon in der Hand hielt, konnte und wollte ich es noch nicht glauben. Wie in Trance packte ich meine Sachen und stieg ins Auto.

Es hat Wochen gedauert, bis ich mich überhaupt mit dem Gedanken ICH bin MAGERSÜCHTIG abgefunden hatte.

Auch die Eingewöhnung fiel mir nicht gerade leicht, denn die beiden Mädchen, mit dmer teilte, hatten andauernd irgendetwas zu meckern. Erst als ich die Gruppe etwas näher kennen gelernt habe und das Zimmer wechseln durfte, wurde es für mich erträglicher.
Ich lernte die Therapien zu schätzen und gewöhnte mich mehr und mehr auch an die neue, völlig unbekannte Situation.
Bild Doch ich bin mir sicher, dass ich in Marl-Sinsen nicht nur mein Essverhalten geändert habe.
Auch an meiner Persönlichkeit habe ich einiges getan. Ich habe gelernt meine Meinung zu sagen, bin selbstsicherer geworden.
Als mein Gewicht dann stetig stieg, kam der Vorschlag mich in die teilstationäre Behandlung, also in die Tagesklinik überweisen zu lassen.
Ich erklärte mich damit einverstanden, weil ich mir darunter ein wenig der Normalität des Alltags, den ich vollständig verloren hatte, versprach.
Die ersten Tage hier waren für mich der blanke Horror. Viele Dinge, die ich mir in Marl hart "erkämpft" hatte, wurden hier einfach gestrichen.
Was ich außerdem sehr vermisse ist der große Wald, den wir in Marl hatten und der für uns immer begehbar war.
Nun bin ich ca. zweieinhalb Wochen hier und ich habe mich schon etwas mit den vielen neuen Eindrücken abgefunden. Trotzdem- so wirklich begeistert bin ich immer noch nicht.
Vielleicht - ich hoffe es - verändert sich mein Bild von der Tagesklinik ja noch, wenn ich ein bisschen abwarte.

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