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Mein Vater schlägt immer wieder zu

Ruth, 15, leidet unter einem Vater, der sich nicht unter Kontrolle hat

Bild Vor fast vier Wochen hat meine Mutter mich hier in die Psychiatrie gebracht. Das war natürlich erst einmal ein Schock. Vor allem, weil es gegen meinen Willen ist.
Vom Gericht wurde beschlossen, dass ich noch bis zum 28.02.2003 hier in der Klapse bleiben muss. Aber mittlerweile bleibe ich auch freiwillig hier.
Ich habe ihn beschimpft.
Angefangen hat alles nach den Herbstferien 2002. Mein Vater und ich haben uns immer mehr über irgendwelche Kleinigkeiten gestritten und uns danach auch nicht wieder vertragen. Es wurde dann nach und nach noch viel schlimmer. Ich habe ihn beschimpft und er hat gesagt, ich sei nichts wert und ich sei ja blöd und all so gemeine Sachen. Das hört sich jetzt vielleicht nicht so schlimm an, aber es ist ziemlich erniedrigend, wenn man von seinem eigenen Vater zu hören bekommt, dass man ein Nichts sei.

Aber dann kam es noch viel schlimmer. Als wir uns wieder so heftig stritten - und das können wir gut, weil wir totale Dickköpfe sind und nicht nachgeben können - hat er mich geschlagen!
Ich war total am Ende! Das ist dann noch öfters vorgekommen und meine Mutter und mein Vater gaben mir die Schuld dafür, weil ich ja immer so gemein wäre und so. Das hat mich noch mehr runtergezogen, obwohl ich wegen der vielen Schläge schon ganz unten war. Ich konnte einfach nicht mehr.
Ich habe meiner Freundin dann eine SMS geschrieben, dass ich nicht mehr leben will und kann. Die hat natürlich gedacht, es sei ein Scherz, weil ich sonst immer fröhlich war. Ich habe auch keinem davon erzählt und deshalb konnten sie ja auch nicht wissen, wie es mir geht und was passiert ist.
Am nächsten Tag habe ich ihr von meinen Problemen erzählt und sie war total geschockt, weil sie eine ganz andere Vorstellung von meinem Vater hatte. Nur leider ist er so!
Am gleichen Tag sind wir dann zu unserem Klassenlehrer gegangen und haben ihm alles erzählt. Er war natürlich auch geschockt. Er wollte unbedingt mit meiner Mutter reden, dass es so nicht weiter gehen kann. Aber ich wollte das nicht, weil dann das ohnehin schon schlechte Verhältnis noch schlechter geworden wäre. Außerdem hatte ich Angst, dass mein Vater mich wieder schlägt, wenn er erfahren würde, dass ich mit anderen Leuten über unsere Familienverhältnisse rede. Mein Klassenlehrer und ich haben fast jeden Tag miteinander geredet.
Ich fing an mir die Arme zu ritzen.
Das haben meine Freunde und mein Klassenlehrer natürlich auch gesehen und wollten dann erst recht mit meiner Mutter reden. Aber ich wollte auch nicht, dass sie weiß, dass ich ritze.
Mein Lehrer ist dann mit mir zu unserem Schulpsychologen gegangen, weil es ja so nicht weitergehen konnte, dass ich mich selber verletzte.
Der Psychologe hat mir einen Termin bei einer Beratungsstelle "Gewalt in Familien" besorgt. Wenn ich ehrlich bin, hat es mir überhaupt nichts gebracht. Die Frau meinte nur, ich solle es auch meinem Bruder sagen, oder ich solle zum Jugendamt gehen, damit die mich in ein Frauenhaus oder so bringen. Ich wollte und will aber nicht in irgend so ein Haus gehen. Ich wollte nicht, aber ich musste wieder ritzen!
Das hat mein Lehrer natürlich auch wieder gesehen.

Bild Ich wollte meine Situation einfach nicht mehr ertragen.
Der Tod schien mir die einzige Lösung zu sein. Ich war kurz davor, mir die Pulsadern aufzuschneiden. Am nächsten Tag habe ich meinen Freundinnen dann erzählt, dass ich so nicht weiterleben will. Das hat die total getroffen und ich habe die ganze Woche in der Schule geweint. Im Unterricht habe ich mich auch nicht mehr beteiligt und die Lehrer haben angefangen, sich Sorgen um mich zu machen.

Meine Freundinnen haben meinem Klassenlehrer erzählt, dass ich mich umbringen will. Jetzt wollte er erst recht mit meiner Mutter reden, aber da ich ihm von meine Ängsten erzählt habe, war er der Meinung, dass ich zu Hause nicht mehr sicher bin.
Nur eine kurze Pause zum Luftholen.
Ich konnte dann eine Woche bei meiner Freundin wohnen, nur jetzt wussten meine Eltern über alles Bescheid, dass ich ritze und dass ich mit anderen über uns geredet habe.
Nach der Woche hatten meine Eltern und ich ein Gespräch beim Jugendamt. Ich musste wieder nach Hause, aber mein Vater und ich durften die ersten zwei Tage nicht miteinander reden.
Danach fingen die Streitereien, das Beschimpfen und das Schlagen wieder von vorne an. Mich hat das wieder total runtergezogen.
Ich wollte ritzen, aber ich habe es gelassen, weil es meine Probleme auch nicht löst, wenn ich mich selber verletzte.
Aber da hatte ich wieder den Gedanken mich umzubringen. Ich habe meinem Lehrer erzählt, dass ich so nicht mehr weiterleben will. Er hat natürlich versucht, mir das auszureden, aber es half alles nichts.

Bild Vor vier Wochen hat die Schule meine Mutter angerufen, dass es mir nicht gut geht und dass ich nach Hause gefahren bin. Am Abend hat meine Mutter dann mit meinem Klassenlehrer telefoniert und beide fanden, es sei für mich das Beste, mich in die KJP zu bringen.
Ich habe natürlich voll den Aufstand gemacht, aber es hat es nichts gebracht. Tja und jetzt bin ich halt hier.

Auch mein Vater braucht Hilfe
Aber bevor mein Vater sich nicht auch helfen lässt und nur die Familientherapie macht, gehe ich nicht nach Hause! Das habe ich meiner Mutter und meinem Vater auch gesagt. Ich hoffe nur, er macht auch eine Einzeltherapie.

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