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Mein harter Kampf fürs Leben

oder gegen den Tod

Susan, 14 Jahre hat schon einiges im Leben erlebt

Es fing alles an, als ich noch sehr klein war und meine Eltern sich nur zofften.
Sie brüllten sich nur gegenseitig an.
Mein Vater war ein Mensch, der, wenn wir Geld hatten, es nur fürs Auto ausgab. Da meine Mutter auch mal etwas für uns kaufen wollte, ging sie nebenher als Schreibkraft arbeiten.
Mein Vater trank ziemlich viel Alkohol und war deshalb oft aggressiv. Er musste manchmal auf mich, meine Schwester Anke und Sarah aufpassen. Damit kam er nicht klar. Er sperrte uns in die Toilette, machte das Licht aus und ließ uns erst dann raus, wenn meine Mutter wieder kam.
Einmal schlug er mich am Abend zusammen. Ich schrie um Hilfe, doch es kam keiner. Ich frage mich heute noch, ob mich keiner gehört hat oder es nicht hören wollte. Ich hatte Schmerzen und ich konnte mich kaum noch bewegen.
Dann kam ich in die Grundschule.
Es ging alles gut bis zur 3. Klasse. Dann bekam die Tochter meiner Lehrerin Krebs und sie blieb fast nur bei ihrer Tochter.
Wir hatten dann Unterricht mit der Parallelklasse. Weil meine Klasse die Lehrerin nicht ab konnte, tanzten wir ihr nur auf der Nase herum. Dann rastete sie aus und schlug mich und andere.
Ich war froh, dass das Ende der Grundschule vor mir stand.
Neue Probleme kamen auf mich zu, weil ich mit Mathematik nicht mehr klar kam.
Meine Eltern trennten sich, weil meine Mama nicht mehr konnte. Damit kam mein Vater nicht klar. Er fing an, mich, meine Schwestern und meine Mama durch Telefonanrufe zu terrorisieren. Auch nachts spät ging das Handy. Nach 2 1/2 Jahren hörte es endlich auf, weil er eine Neue hatte.

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Ich kam auf eine Hauptschule, wo ich auch nur Probleme hatte.
Die ersten beiden Jahre gingen noch, doch dann machten mich die Lehrer dumm an. Sie meinten, ich wäre faul und ich würde nicht lernen, obwohl ich mir alle Mühe gab. Dann fing ich an, nur noch Scheiße zu bauen, schwänzte die Schule und hatte keinen Respekt mehr. Eine Lehrerin hat sich immer mit mir angelegt, bis es nicht mehr ging.
Sie behauptete dann, ich hätte sie bedroht.
Zum Schluss flog ich von der Schule und keiner außer meinen Freunden glaubte mir. Meine Mutter glaubte zuerst auch der Schule, aber als sie dann mit einem Jungen aus meiner Klasse sprach, dem man vertrauen konnte, hielt sie zu mir. Die ganze Klasse stand hinter mir.
Ich kam dann auf eine andere Schule. Dort ging es dann auch so weiter. Meine Einstellung zum Lernen hatte sich nicht geändert. Ich sah keinen Sinn mehr darin. Alle meine Anstrengungen waren ja doch umsonst.
Meine neue Klassenlehrerin begrüßte mich mit den Worten: "Solche Kinder wie dich, wollen wir hier gar nicht haben." Später wurde ich von dieser Lehrerin dann wieder geschlagen.
Das war das erste Mal, dass ich ausgerastet bin.
Ich lief direkt zur Direktorin, die mich nach dem Vorfall in die Parallelklasse steckte, zu Daniel und Marcel. Ich ging dann ein paar mal in die Schule, doch dann schwänzte ich wieder, weil ich mit Mathematik nicht mehr zurecht kam.
Nach jahrelangem Kampf und Mühe fand meine Mutter ein Institut, das bei mir einen Test durchführte und feststellte, dass ich Dyskalkulie habe. Das ist eine Rechenschwäche. Über ein halbes Jahr habe ich die Schule geschwänzt. Ich nahm in der Zeit Drogen und Alkohol. Drogen wie Pep, Gras, Peace und als letztes nahm ich Teile. Ich kam mit 14 Jahren besoffen nach Hause und war auch im falschen Freundeskreis. Ich haute einfach ab und kam erst nach Hause, wann ich wollte. Meistens war ich bei Freunden und wir haben uns Drogen reingezogen. Oder ich war im Jugendzentrum E. und feierte. Meine Mutter bekam dann irgendwann alles heraus und nahm mir den Schlüssel weg.
Sie versuchte mir zu helfen, doch ich nahm keine Hilfe an und hörte auf keinen mehr.
Dann gab es nur noch Probleme, die immer größer wurden, bis ich versucht habe mich umzubringen. Erst wollte ich mich vor ein Auto werfen.Dann wollte ich mir die Pulsadern aufschneiden und sterben. Und als letztes wollte ich mich aufhängen. Doch immer hat meine Schwester mich gefunden. Oder auch mein bester Freund Timo.
Ich war so bescheuert, aber ich hatte das Bedürfnis zu sterben.
Also war ich schon auf Drogen, Alkohol, suizidgefährdet, falscher Freundeskreis und als letztes begann ich zu Ritzen.
Ich wechselte dann den Freundeskreis. Klar hatte ich noch zu den anderen Kontakt. Doch ich wurde zur Schlägerin aus E.. Fast jeder kennt mich in E.. Wenn jemand mit Freunden von mir Stress hatte, sagten die anderen, "ich sag das der Susan" und schon entschuldigten sie sich.
Bild Dann ging ich noch mal zur Schule und hoffte noch mal neu anfangen zu können. Ich verabredete mich mit meinen besten Freund Timo. Ich ging in meine Klasse und er in seine. Zwei Stunden später sollte ich in die Aula kommen, um bei den Vorbereitungen zu einem Fest zu helfen. Timo musste auch helfen. Als ich fragte, wo er denn wäre, sagten die anderen, dass er zur Toilette gegangen ist. Ich sagte, er kann doch keine ganze Stunde auf der Toilette sein. Drei Jungen und ich gingen nach ihm schauen. Die Toilette war von innen abgeschlossen. Wir riefen nach ihm. Es kam keine Antwort. Die Jungen schickten mich raus und traten die Türe ein. Ein Junge kam total geschockt aus der Toilette.
Ich stürmte hinein und sah, dass Timo sich erhängt hatte.
Ich musste schrecklich heulen. Einer der Jungen fand einen Brief von ihm für mich. Er hatte geschrieben": Liebe Susan, du bleibst immer für mich mein Schwesterchen. Doch der Tod ist für mich besser."
Es kamen die Polizei und ein Krankenwagen. Wir bekamen dann alle frei.

Seit dem Vorfall ging ich ein halbes Jahr nicht mehr zur Schule. Ich lief auch wieder weg und übernachtete bei einem Freund. Meine Mutter hat dann am nächsten Tag herausbekommen, wo ich war. Sie ging mit der Mama von dem Freund zum Jugendamt. Wir beide sollten zwei Monate in der Einrichtung bleiben. Doch die Bedingung war, dass ich zur Schule ging.
Ich schwänzte aber wieder und hörte auf zu essen.
Wenn ich aß, dann brach ich alles aus. Das ging so lange, bis die Mama von dem Freund sich um mich gekümmert hat.
In der Zeit hatte ich auch ziemliche Probleme mit meinen Ex Freund. Er schlug mich zusammen. Da ich in E. als Schlägerin bekannt war, wissen die meisten, dass ich sehr viele Beziehungen habe, z.B. zu Nazis, Türken, Zigeunern, Marokkanern und noch mehr Leuten. Da hat er dann erst mal voll Schläge bekommen. Seit dem Tag hat mein Ex-Freund Angst, doch ich habe bald eine Gerichtsverhandlung, weil ich ihn angezeigt habe.
Ich lebte dann wieder zu Hause und ich ging wieder nicht zur Schule. Meiner Mama reichte es. Sie brachte mich in die Klapse.
Ich blieb nur eine Nacht und haute am nächsten Morgen ab.
Doch ich musste wieder dorthin, sonst wäre ich per Gerichtsbeschluss eingewiesen worden. Ich lernte alle kennen und fand die Jugendlichen in Ordnung. Einmal tickte ich mit einer Freundin voll aus. Die Betreuer riefen den Arzt und der drohte mich zu fixieren, wenn ich mich nicht beruhige.
Es ging zum Glück auch so. Ich blieb fast zwei Monate auf der Station. Jetzt bin ich in der Tagesklinik.
Ich war so froh wieder zu Hause zu sein! Doch ich war auch sehr traurig, weil ich die anderen Jugendlichen sehr lieb gewonnen hatte.
Ich bin so froh, dass ich davon weg bin, mich zu Ritzen, mich umzubringen, von den Drogen und dem Alkohol.

Das alles habe ich schon erlebt - und dabei bin ich erst 14 Jahre alt.

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