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Meine Geschichte

Lisa (16) erzählt, wie ihre Familie auseinanderbricht

Eigentlich waren wir die perfekte Familie, so nannten meine Freunde uns zumindest. Ich heiße Lisa und habe eine große Schwester und einen Bruder. Wir wohnten alle in einem Haus, allerdings war es mein Stiefvater und von meinem Bruder der leibliche Vater. Das war aber weiter nicht tragisch, da ich ihn später wie meinen richtigen Vater gesehen habe. Doch nach zwei Jahren war der Traum von der perfekten Familie vorbei: meine Eltern trennten sich und wir Kinder sind mit ihr in ein Hochhaus gezogen. Meine Mutter hat kurze Zeit später einen neuen "Lover" gefunden, mit dem meine Schwester nicht klar kam. Irgendwann ist es eskaliert, meine Schwester wurde von meiner Mutter und von ihrem Freund geschlagen. Sie wurde dann ins Heim gesteckt. Dann fing es mit mir an. Erst wurde ich von meiner Mutter geschlagen und von ihrem Freund sexuell missbraucht. Als ich es dann meiner Mutter erzählt habe, hat sie es mir nicht geglaubt. Sie haben dann noch Zwillinge erzeugt. Dann war ich die nächste, die von Zuhause wegkam, wo ich allerdings immer wieder ausriss. Ich bin dann von einem ins andere Heim gekommen, wo ich immer wieder abgehauen bin. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, vor meinen Problemen wegzurennen. Also nahm ich meinen Rasierer, schnitt das Plastik drumherum ab und nahm die Klinge heraus. Ich hatte Angst, aber ich musste es irgendwie tun. Also setzte ich die Klinge am Oberarm an und machte einen tiefen waagerechten Schnitt. Von da an habe ich jeden Tag geritzt und immer tiefer, da es mich irgendwie befreit hat. Ich wurde dann vom Heim auf die Straße gesetzt, weil ich zu oft abgehauen bin. Eine Woche lebte ich auf der Straße. Meine Tante hat mich dann aufgenommen. Doch da hatte ich auch einmal eine Ohrfeige verpasst bekommen. Also bin ich wieder abgehauen. Nach fünf Tagen hat die Polizei mich gefunden und ich wurde dann von meiner Tante in die Kinder- und Jugendpsychiatrie gebracht. Ich war natürlich total sauer auf meine Tante. Auch dort habe ich schon mehrere Male geritzt, da ich nicht über meine Probleme reden konnte. Ob ich damit aufhören kann? Das weiß ich noch nicht, da ich noch keine andere Methode gefunden habe. Denn wenn ich ritze, fühle ich den Schmerz, der mich innerlich so quält. Wenn das Blut herunter läuft, beruhigt es mich, da ich die Schmerzen spüre und das Blut sehe wie meine Tränen! Jetzt mache ich eine Therapie dagegen und hoffe, dass ich es bald schaffen werde!

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Bei der deutschen Band "Goethes Erben" haben wir zum Thema Selbstverletzung auch einen sehr eindrucksvollen Text gefunden, den man durchaus kritisch sehen kann..

Ich liebe Schmerzen

Goethes Erben

Seit Tagen liege ich im warmen Wasser
Ich fühle mich wohl warm und leicht
Meine Haut löst sich ganz leicht vom Fleisch
Ich genieße den Schmerz
er tut gut

Ich liebe Schmerzen. Warum nicht ?

Das Wasser ist tiefrot
Das Rubinauge beobachtet mich
Kleine Blutgerinnsel treiben in meinem Saft
Der Schmerz ist fast unerträglich
Aber ich will mehr
noch mehr Schmerzen spüren

Ich liebe Schmerzen. Warum nicht ?

Inzwischen kann ich nicht mehr sitzen
Meine Muskeln liegen frei
Zitternd bebt mein Körper brennend
Neben der Wanne türmt sich die Haut
Streifen um Streifen mehren sich meine Schmerzen

Ich liebe Schmerzen.
Warum nicht ?

Das rohe Leben liegt hüllenlos frei
schutzlos dem Schmerz ausgeliefert
Meine Liebe zum Schmerz wird mir irgendwann das Leben kosten aber ...

Ich liebe Schmerzen.
Warum nicht ?

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