<<   RITZEN - SELBSTMORDGEDANKEN - WAHNVORSTELLUNGEN  |   Mein Leben mit dem Ritzen   >>

Endstation Psychiatrie

Vanessa, 17 erlebte mehrere Rückfälle

Und schon bin ich wieder auf Station. Es ist das dritte Mal. Im April habe ich schon mein Zweijähriges- allerdings mit Unterbrechungen. Mein Vater und auch ich selber hatten mich als hoffnungslosen Fall abgestempelt. Das ist allerdings ein Symptom meiner Krankheit - der totale Verlust von jeglicher Hoffnung und Zuversicht.

Ich habe nämlich eine Depression. Keine schöne Sache.

Wie lange ich die schon habe, weiß ich nicht. Und erst beim dritten Aufenthalt wurde sie erkannt und- nach anfänglichen Problemen meinerseits- erfolgreich behandelt. Allerdings war das nicht der einzige Grund, warum ich auf Station kam.

Nach meinem ersten Aufenthalt, den ich 11 Monate wegen Eigengefährdung auf Station verbrachte, kam ich von meinem Vater in eine Wohngruppe. Nach einem Monat musste ich wieder auf Station, zur Krisenintervention, weil ich wieder starke Selbstmordgedanken hatte. Danach wurde ich in die Tagesklinik entlassen, wo plötzlich alles lief.

Ich schaffte einen regelmäßigen Schulbesuch, ritzte nicht mehr und hatte auch keine Selbstmordgedanken.

Zu den Sommerferien wurde ich entlassen und in den Ferien ging´s dann tatsächlich in den Urlaub! Zwei Wochen mit einer Jugendgruppe nach Italien. Ich hatte vorher ein komisches Gefühl und wollte nicht, aber alle haben mir gut zugeredet und so bin ich dann doch gefahren. (Es fuhren auch zwei Mitbewohner mit, mit einem von ihnen verstand ich mich supergut, was sich aber bald ändern sollte.)

Ich hatte tierischen Schiss, fast 30 fremde Leute, mit denen in ein fremdes Land, keine Therapie usw.

Ich hatte sowieso Angst vor fremden Leuten und so vertraute ich voll auf meinen Mitbewohner. Aber ich glaube, man nennt es gekränkte Männlichkeit, denn er wollte etwas von mir und ich wollte nur Freundschaft. Er fand eine, die er besser fand als mich und ... na ja. Den Rest kann man sich denken. Er schaffte es, die halbe Gruppe gegen mich aufzuhetzen und ich wurde übelst fertig gemacht.
Es eskalierte fast. Es kam sogar zu einer Prügelei, bei der ich leider keine Chancen hatte, weil der Typ weitaus stärker war als ich. Aber ich habe mich rechtzeitig heulend verzogen, in Deutschland angerufen und gesagt, dass ich zurück wollte.

Meine Nerven waren total blank, ich konnte nicht mehr.

Ich überlegte zu ritzen und sogar mich umzubringen. Aber ich tat nichts dergleichen. (Bis heute frage ich mich, wie ich das geschafft habe ...) Am letzten Tag war mir alles egal und ich betrank mich und rauchte mir mit irgendwelchen Italienern einen Joint. Ich glaube, da begann mein großer Einbruch. In Deutschland wieder angekommen, wussten zwar alle, was los war, aber ich redete alles schön und belog mich zusätzlich noch selber. Das Mobbing von dem Mitbewohner ging weiter und ging mir tierisch an die Nieren. Ich war immer weniger Zuhause und meldete mich teilweise nicht einmal mehr ab.

Mir wurde alles egal

und ich fing an zu kiffen und zog sogar ein paar Mal Pepp. Das rettete mir öfters mal den Hintern, denn zwischenzeitlich hatte ich so derbe Abstürze, wie man sie gar nicht beschreiben kann. Mir ging´s von einer Minute auf die andere so dreckig wie noch nie. Ohne Grund wollte ich mich umbringen und beklaute sogar meine beste Freundin, um an Ritzwerkzeug zu kommen. Zog ich Pepp oder rauchte ich mir etwas, ging es mir nicht mehr so scheiße. Doch irgendwann hatte auch das ein Ende, denn meine Betreuer machten voll Stress, weil ich mich an keine Abmachung mehr hielt. Ich merkte, dass durch das Kiffen nichts besser wurde und hörte auf.

Die Depris kamen wieder.

Ich hatte den Drang zu ritzen und wusste nicht warum. Dann kamen die Selbstmordgedanken wieder. Ich hatte totale Angst und wusste nicht was los war, aber irgendwann gab ich dann doch nach. Als erstes einmal dem Ritzdruck. Dann immer öfter. Die Schnitte wurden so tief, wie ich sie noch nie hatte. Es gefiel mir und irgendwann nahm ich auch die Selbstmordgedanken an. Es war toll.

Ich zog mich zurück in meine eigene Welt,

in der es nur noch das "Schneiden" (es war ja kein Ritzen mehr) und die Hoffnung auf meinen Selbstmord gab. Ich hatte Tagträume, wie ich von Brücken sprang und ritzte mehrmals täglich. Meine externe Therapeutin stellte fest, dass ich mich auf meinen Selbstmord vorbereitete, was vollkommen richtig war. Alles war mir scheißegal, weil ich nur noch auf DEN Tag wartete. Ich wartete nur noch darauf, dass mich die Überzeugung mich umzubringen ganz einnahm und diese wurde schließlich von Tag zu Tag mehr. Wenn ich heute meine Tagebücher lese, dann kann ich sagen, dass meine Therapeutin mich auf Station einweisen ließ war gut, denn das Wochenende hätte ich sicher nicht überlebt. Mein Selbstmord war schon zum Wahn geworden, ich hatte absolut keine Angst mehr vor dem Tod und wollte mehr als alles andere sterben. Deshalb weigerte ich mich erneut auf Station zu gehen, weil ich um keinen Preis wollte, dass man mich von meinem Selbstmord abhält. Also wurde ich auf richterlichen Beschluss eingeliefert.
Nach drei Tagen auf Station bin ich ausgerastet, weil mir klar wurde, dass ich nicht mehr ritzen und noch weniger mich umbringen konnte.

Für mich brach eine Welt zusammen.

Ich bekam einen Heulkrampf, der über drei Stunden anhielt und durch eine Fixierung beendet wurde. Ich hatte mich mit kleinen Drähten geritzt, meinen Kopf vor die Wand geschlagen und die ganze Zeit versucht die Betreuer davon zu überzeugen, dass der Tod das Beste für mich wäre. Ich weigerte mich wochenlang mitzuarbeiten. Ich sollte Medikamente nehmen, weil meine trüben Gedanken sich als Depression herausstellten. Aber ich wollte da nicht raus, ich wollte nicht aus meiner Welt, weil ich die Realität nicht ertragen konnte. Eine Zeit lang ritzte ich so heftig, dass ich ca. alle vier Tage ins Krankenhaus musste, um genäht zu werden.
Ich bekam "ständigen Kontakt", um vor mir selber geschützt zu werden, so dass ich nicht mehr ritzen konnte.

Irgendwann habe ich eingesehen, dass ich damit aufhören muss, wenn ich jemals wieder entlassen werden möchte.

Ich sah auch ein, dass ich Medikamente nehmen muss. Dadurch änderte sich meine Wahrnehmung. Ich konnte mich wieder über viele Dinge freuen. Nach fünf Monaten schaffte ich es, in die Tagesklinik entlassen zu werden.
Das Ritzen ist immer noch ein riesiges Problem für mich, weil es immer tiefer und heftiger wird. Inzwischen ist es schon keine Selbstverletzung mehr, sondern Selbstverstümmlung.

ICH WÜNSCHTE, ICH HÄTTE NIE DAMIT ANGEFANGEN UND SCHAFFE ES BALD, GANZ DAMIT AUFZUHÖREN!!


Bild

Selbstredend
Selbstentzündlich
Selbständig
Selbstjustiz
Selbstvergessen
Selbstabholer

Selbstverletzung

Selbstkritik
Selbsttäuschung
Selbstschutz


Nadine, 15

zum Haupteingang von www.klapse.de