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Druck im Bauch

Anna, 15 Jahre, versucht sich von ihrem "Ritzdruck" zu befreien

Alles fing vor ca. 2 Jahren an. Ich hatte mich mit meinem damaligen Freund gestritten, in der Schule lief es nicht gut, ich fehlte oft und meine Eltern waren enttäuscht.
Ich wusste mit Konflikten nicht mehr umzugehen. Ich hatte ein schreckliches Kribbeln im Bauch, ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Eltern so viele Sorgen bereitete, wobei meine Mutter davon schon genug hatte. Sie leidet seit ungefähr 4 Jahren unter einer Krebserkrankung und wurde mit einer Chemotherapie behandelt, die ihr körperlich wie seelisch sehr zu schaffen machte.
Ich wusste und wollte nicht weiter. Immer stärker wurde der Druck in meinem Bauch. Ich hatte das Gefühl, dieser innere Druck wollte raus, raus aus meinem Körper. Ich nahm eine Nadel und schnitt mir Namen und Symbole in meinen Unterarm, schüttete Wachs darüber und mir ging es besser...
Dachte ich aber nur für wenige Monate, denn bald fing ich an, mich bei jeder Kleinigkeit zu schneiden, mit Messern, Nadeln, Rasierklingen einfach allem was sich eignete. In die Schule ging ich nur noch mit langen Pullis. Meine Arme sind voller Narben, die mich immer an meine Krankheit erinnern werden.
An einem Montag schließlich, ich hatte die Nacht kein Auge zugemacht, weckte mich meine Mutter. Ich sagte ihr, dass ich es nicht zur Schule schaffen würde. Sie fing an zu weinen, als sie meine zerschnittenen Arme und Beine sah und diesmal hatte ich mich sogar im Gesicht "geritzt".
Sie redete lang mit mir und ich war schließlich einverstanden, in die KJP in Grafenberg zu gehen. Jetzt sitze ich hier in der Schule und ich kann ehrlich sagen, dass es mir gut geht. Mein Tagesablauf wird langsam normal, man kann - denke ich - kaum verstehen, wie ein Mensch Sachen wie Aufstehen, zur Schule gehen, Essen, Schlafen und andere alltägliche Dinge als schwierig empfinden kann.
So war es bei mir, aber jetzt geht es wieder bergauf. Ich verstehe mich mit den Jugendlichen auf der Station und kann gut mit den Pflegern und Therapeuten reden. Ich hoffe bald wieder ganz normal mit meinem Alltag und meinen Konflikten umgehen zu können. Egal wie lang es dauert.

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