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Unsere Projektwoche zum Thema "Selbstverletzung"

von Helene, 17 Jahre und Janus, 15 Jahre

Um unserer Schülerzeitung inhaltlich ein neues Gesicht zu geben, hatten wir im Frühjahr diesen Jahres beschlossen, in Zukunft jede Ausgabe unter ein bestimmtes Schwerpunktthema zu stellen. Für die Sommerausgabe 2003 wurde von uns daraufhin das Thema "Selbstverletzung" gewählt. Von der Projektwoche, die zu diesem Thema vom 13. bis 15. Mai diesen Jahres an der Schule in der KJP stattfand, soll nun kurz berichtet werden.

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Zu Beginn wurde in den meisten Arbeitsgruppen eine Mindmap erstellt, um sich einen Überblick zu verschaffen und den Ablauf zu organisieren. (Eine Mindmap ist eine schriftliche Gedankenskizze, in der alles, was zu einem Thema gehört, festgehalten wird.) Außerdem wurde überlegt, mit welchen Mitteln und Methoden die einzelnen Themen wohl am besten bearbeitet werden könnten.
So wurden Collagen zusammengestellt, Interviews geführt, Berichte geschrieben sowie Zeitungsartikel aus dem Internet herunter geladen und zusammengefasst. Eine Schülergruppe fuhr zur zentralen Stadtbücherei in Düsseldorf und lieh Bücher zum Thema "Selbstverletzung" aus.
Großen Raum haben auch selbstverfasste Gedichte und Zeichnungen eingenommen, in denen Schülerinnen und Schüler, die sonst weniger zu Wort kommen, ihre Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck bringen konnten. An jedem Tag wurden neue Erfahrungen gemacht und miteinander ausgetauscht und besprochen.
Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz: es wurde gemeinsam gefrühstückt und zwischendurch Kaffee getrunken.
Am letzten Tag wurden schließlich die Arbeiten bzw. Ergebnisse von den einzelnen Gruppen präsentiert, bestaunt und bewundert. Zwischendurch wurden immer wieder Fotos geschossen und auch Videoaufnahmen gemacht, um alle Beteiligten in guter Erinnerung zu behalten.

Die schönsten und wichtigsten Ergebnisse der Projektwoche werden in dieser Ausgabe vorgestellt. Wir hoffen, Ihr seid davon ebenso berührt, wie wir es waren!

Die Geschichte von Fr. Maria. D.

Freitag Abend, kurz nach 23 Uhr, klingelte das Telefon. Die Chirurgie war am Telefon, es gab einen Notfall. Eine Fr. Maria. D., sie sei Anfang 20 und hatte einen Suizidversuch hinter sich. Kurz nach dem Telefonat saß Fr. Maria. D. auch schon vor Dr. Sachsse.
Ihr Verhalten wirkte eigentlich ganz normal, aber schaute man auf ihren Arm, sah man einen an zwei Stellen durchgebluteten Unterarm. Herr Sachsse fragte, warum sie hier sei? Aber sie antwortete nicht und sie war unruhig. Auch ihre Augen waren leer. Man merkte an ihrem Verhalten, das sie Alkohol getrunken hatte.
Es wäre falsch gewesen, sie einfach so wieder gehen zu lassen, weil man nicht wusste, was sie machen würde. Er konnte sie nicht einschätzen und hielt ihre Handlung für einen Hilfeschrei. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr zu sagen, dass sie freiwillig hier bleiben oder eingewiesen werden müsse. Am Ende des Gesprächs sagte er nur, er könne sie nicht nach Hause gehen lassen. Sie war von dem Tag, als sie kam, bis zum anderen Morgen fixiert. Am nächsten Morgen hatte Dr. Sachsse ein Gespräch mit ihr.
Er wollte sie verstehen können, doch sie fühlte sich in ihrer Welt angegriffen. Aber er stellte trotzdem die Fragen, die er stellen muss.
"Warum machen sie so was, ich verstehe es nicht." "Wie können sie sich Zigaretten auf der Haut ausdrücken oder sich schneiden?" Dr. Sachsse nannte so etwas foltern. Er schaute sie an und fragte, was sie eigentlich gegen sich habe? Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie sprach, sie sei dick, faul, dumm und zu nichts zu gebrauchen. Das habe ihr Vater auch immer gesagt. Er sagte zum Schluss dieses Gespräches, dass sie morgen weiter daran arbeiten würden. Sie war geschockt und fragte, ob sie nicht nach Hause könne? Nein, nach dieser Nacht könne sie unmöglich nach Hause gehen.
Nach knapp zwei Jahren Therapie hat Fr. Maria. D. die Klinik verlassen und sie schrieb nach drei Monaten den ersten Brief an Herrn Sachsse.

"Hallo Herr Sachsse!

Die letzten drei Monate waren nicht sehr gut, aber ich habe es geschafft. Ich habe mich nicht geschnitten und mein Freund hat auch nicht mehr getrunken.
Ich habe manche Termine nicht wahr genommen oder abgesagt, weil ich probieren wollte, ob ich es alleine schaffe und ich habe es geschafft. Vielen Dank für alles."


Nacherzählt aus dem Buch: "Selbstverletzendes Verhalten" von Ulrich Sachsse.

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