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Klingenkind

Isabelle, 16 Jahre

Das Auto bremst bei voller Fahrt, eine in der Nacht nicht erkennbare Gestalt rennt mitten über die Straße. Es ist eine warme Sommernacht. Die Gestalt rennt in den Wald. Fern von den Menschen, irgendwohin, wo niemand ist.
Bei genauem Hinsehen im hellem Mondlicht erkennt man das es ein Mädchen ist, sie hat Tränen in den Augen ...

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Sie rennt immer weiter in den Wald. Am Tag sind hier viele Wanderer und Spatziergänger, die fröhlich durch die Gegend laufen und glücklich in ihrer heilen Welt sind. Sie kennen nur ihre Welt, ihr Geld, ihre liebevolle Familie, sie haben keine Ahnung, sie sind so dumm, und so blind.
Das Mädchen setzt sich auf eine Bank. Eine braune Holzbank. Man sieht noch weggeworfene Butterbrotpapiere und Trinkpäckchen vom Tag. Um Mitternacht ist hier keiner mehr.
Das Mädchen holt aus ihrer Tasche eine scharfe Klinge.
Sie schneidet sich in den Arm, es tut so gut ...
Sie schneidet immer weiter und tiefer.
Ihr Arm ist voller Blut, und Narben der letzten Tage, Wochen und Monaten. Die Wunden auf der Seele sind größer, die Wunden auf den Armen reichen nicht mehr.
Sie hält es nicht mehr aus . Das Mädchen beschließt zu sterben.
Sie wandert mit der Klinge Richtung Pulsadern. Sie will tiefer ritzen. Es blutet stark.
Hier im Wald wird sie keiner finden, erst am Morgen werden hier wieder Menschen sein, doch bis dann ist sie endlich befreit , für immer ...

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Das Handy klingelt, eine SMS. Von ihrem besten Freund.
"Lisa ich brauche deine Hilfe, es ist wichtig bitte ruf mich an!"
Sie überlegt. Daniel braucht ihre Hilfe.
Sie will ihn nicht im Stich lassen, er hat ihr auch immer geholfen, er hat noch was gut bei ihr.
Sie steht auf.
Ein Tuch an den Arm gepresst rennt sie los nach Hause.
Sterben kann sie auch morgen noch...

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