Die "Gründereltern" stehen uns Rede und Antwort
KLAPSE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die KLAPSE ins Leben zu rufen?
Marie-Luise Knopp/Klaus Napp: Jeden Freitag hatten wir ab 10.00 Uhr unseren Projekttag. An einem dieser Tage überlegten wir Lehrer gemeinsam mit unseren etwa 20 Schülerinnen und Schülern, was unser nächstes Projekt sein könnte. Plötzlich hatte unser Kollege Rolf Kohl die Idee, eine Schülerzeitung ins Leben zu rufen. Gesagt, getan, die KLAPSE entstand, und so könnte man Rolf Kohl als IDEEN-VATER bezeichnen, während wir die Eltern, also "Mutter und Vater der KLAPSE", waren.
Marie-Luise Knopp: Rolf Kohl und ich dachten an eine kleine, bescheidene, handgeschriebene Zeitung, aber Klaus Napp hatte längst andere Pläne. Er, der Perfektionist und Technikbegeisterte, dachte an Computer.
Klaus Napp: Ich wollte nicht, dass die KLAPSE nur aus ein paar kopierten Blättern bestand und vielleicht aus Mitleid gekauft wurde, sondern mein Ziel war eine richtige ernst zu nehmende Schülerzeitung.
KLAPSE: War es schwer, die Schülerinnen und Schüler zum Schreiben für die KLAPSE zu motivieren?
Marie-Luise Knopp: Bei mir im Deutschunterricht hatten sich schon seit längerer Zeit wunderbare Texte angesammelt und ich habe sie alle aufgehoben. Das kam uns in den ersten Ausgaben zugute. Außerdem waren die meisten Schüler mehr und mehr davon überzeugt, dass sie sich nicht mehr verstecken sollten, sondern nur mit Offenheit Verständnis und Akzeptanz erreichen konnten.
Klaus Napp: Es war, als hätten wir ein Ventil geöffnet. Die Schülerinnen und Schüler waren voller Begeisterung dabei.
KLAPSE: Hat es Ihnen Spaß gemacht, die KLAPSE zu gestalten?
Klaus Napp: Die Frage gebe ich an euch zurück: Macht es euch Spaß? Ich glaube, wenn es nicht so wäre, gäbe es heute keine KLAPSE mehr. Es gab natürlich auch Probleme und Ärger, aber das Positive überwog.
Marie-Luise Knopp: Ich fand es faszinierend, was die Zeitung einer so kleinen Schule bewirken konnte. Es war wie eine Lawine, die nicht mehr aufzuhalten war.
KLAPSE: Haben viele Schülerinnen und Schüler mit geholfen, die KLAPSE zu gestalten?
Klaus Napp: In den ersten Jahren waren alle Schüler an dem Projekt beteiligt, je nach Befinden, Lust und Laune mehr oder weniger intensiv. Allerdings gab es auch mehr Arbeit als heute:
Die Texte wurden ausgedruckt; Fotos, Zeichnungen und so weiter wurden ausgeschnitten und auf die Textseiten geklebt. Selbst die Seitenzahlen mit den KLAPSE-Logos wurden von Hand aufgeklebt, wenn die Zeitung fertig zusammengestellt war.
KLAPSE: Freuen Sie sich darüber, dass die KLAPSE nach 15 Jahren immer noch besteht?
Marie-Luise Knopp: Das freut mich ganz besonders, denn es war zwischenzeitlich schon recht kritisch. Klaus Napp wurde krank, unsere Kollegin Petra Rohde ließ sich beurlauben und ich hatte nicht genügend Erfahrung mit dem Layout, weil ich mich vor allem für den Inhalt verantwortlich fühlte. Aber wir haben es geschafft und ich habe in dieser Zeit viel Erfahrungen gesammelt, die mir für die Zeitung MASKE (Zeitung der Kinder in der Uniklinik) zugute kamen. Erfreut bin ich auch darüber, dass dank Carola Heine immer noch alle KLAPSEN im Internet zu lesen sind.
KLAPSE: Was sagen Sie zu den vielen Preisen? In diesem Jahr hat die KLAPSE einen Preis beim Schülerzeitungswettbewerb der Stadtsparkasse Düsseldorf und einen Preis beim Schülerzeitungswettbewerb der Zeitschrift Der Spiegel gewonnen.
Klaus Napp: Ihr wisst es vermutlich nicht, aber schon die erste Ausgabe bekam vom Rheinischen Sparkassen- und Giroverband einen Sonderpreis! Seitdem ist sie ja quasi auf einen Preis abonniert. Besonders freuen mich die Preise beim SPIEGEL, weil die KLAPSE sich dort bundesweiter Konkurrenz stellt.
KLAPSE: Gab es ein besonderes Ereignis?
Marie-Luise Knopp: Unseren ersten Preis beim Spiegel-Wettbewerb haben wir 1997 durch den Beitrag eines Jungen, der über seine Drogenabhängigkeit berichtet hat, gewonnen. Für ihn war es etwas ganz Besonderes, über sich zu schreiben. Er hatte eine Schreibblockade, glaubte überhaupt nicht an sich und war dann überglücklich, als er die KLAPSE mit seinem Artikel in der Hand hielt. Dann wurde er entlassen, die Einladung zur Preisverleihung kam, aber J. war nicht aufzutreiben. Wir ließen nichts unversucht, um ihn zu finden. Selbst das Radio schalteten wir ein. Doch J. blieb verschollen. So musste ich den Preis für ihn in Empfang nehmen. Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass er von diesem Preis erfahren hätte. Jahre später habe ich ihn getroffen, irgendwo an einer Häuserecke - in einer Klicke. Er war in keinem guten Zustand und hat kaum etwas mitbekommen von seiner Umgebung ....... und so konnte ich ihm die freudige Botschaft von dem Preis, seinem Preis, nicht mehr übermitteln. Schade!!! Vielleicht geht es ihm inzwischen gut und er liest diese Zeilen im Internet.
KLAPSE: Lesen Sie die KLAPSE auch heute noch?
Klaus Napp: Ich warte gespannt auf jede neue Ausgabe und bin erfreut, was aus dem "Kind" von 1991 geworden ist. Allerdings habe ich als Dauerleser das Problem, dass die Themen sich wiederholen. Das liegt aber nicht an euch, sondern daran, dass zwar immer neue Schülerinnen und Schüler schreiben, aber ihre Probleme wie z.B. Drogen, Suizid, Selbstverletzung, Essstörungen sich ähneln. Deshalb finde ich es gut, dass ihr über das Persönliche hinaus Themenschwerpunkte setzt.