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Eine kurze Geschichte der KLAPSE

Alexander Wertgen, Lehrer der Alfred-Adler-Schule


Im Sommer 2006 ist die KLAPSE 15 Jahre alt geworden - damit ist sie zwar schon älter als viele Schülerinnen und Schüler der Alfred-Adler-Schule - aber immer noch um einiges jünger als die jüngsten Lehrerinnen und Lehrer. Der Geburtstag der KLAPSE war für uns ein Anlass zu einem Rückblick in die Vergangenheit. Wir wollten wissen, wie die KLAPSE zu dem geworden ist, was sie heute ist. Dabei sind wir auf die folgenden vier Stationen gestoßen:

Idee und Entschluss: Die KLAPSE entsteht aus dem Kampf gegen Vorurteile

Wann genau die ersten Schülerinnen und Schüler oder Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule die Idee zur Gründung einer Schülerzeitung gehabt haben, ist nicht mehr exakt nachzuvollziehen. Auch den Entschluss, die Idee in die Tat umzusetzen, eine Schülerzeitung zu gründen und sie KLAPSE zu nennen, können wir nicht genau datieren - er wurde aber mit großer Wahrscheinlichkeit bereits 1990 gefasst. Fest steht, dass die erste KLAPSE-Ausgabe 1991 in der jetzigen Abteilung "Kinder- und Jugendpsychiatrie" jener Schule geschrieben worden ist, die heute den Namen des Arztes Alfred Adler trägt. Damals hatte die Schule diesen Namen noch nicht und die Schule auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken gehörte noch nicht zur Schule für Kranke.

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Die Gründerinnen und Gründer der KLAPSE wollten das Image der Psychiatrie und ihrer Patientinnen und Patienten in der Öffentlichkeit verbessern. Dazu hatten sie eine gute Idee: Wenn außerhalb der Psychiatrie mehr über psychisch kranke Menschen, über ihr Leben, ihr Erleben und ihre Krankheiten bekannt wäre, gäbe es vielleicht weniger Vorurteile der Psychiatrie und ihren Patientinnen und Patienten gegenüber. Die Lebensgeschichten von Menschen mit einer psychischen Erkrankung können deutlich machen, dass grundsätzlich jeder Mensch psychisch krank werden kann, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung also im wahrsten Sinne des Wortes "Menschen wie du und ich" sind und dass psychische Erkrankungen behandelbar sind und in vielen Fällen geheilt werden können. Bereits in den ersten Ausgaben der KLAPSE finden sich viele Beiträge über den Alltag und das Leben von Kindern und Jugendlichen in der Psychiatrie.

Die KLAPSE hat Erfolg und wird bekannt

Schon nach wenigen Ausgaben war die KLAPSE so erfolgreich, dass sie immer mehr Leserinnen und Leser fand und 1995 schließlich sogar ein erstes Buch mit Texten von KLAPSE-Autorinnen und Autoren erschienen ist ("Wenn die Seele
überläuft", Psychiatrie-Verlag), dem später weitere Bücher folgten.
In diesen Büchern berichten Schülerinnen und Schüler der Alfred-Adler-Schule von ihrem Leben mit Ängsten, Psychosen, Essstörungen, Suizidversuchen, über Erfahrungen mit Drogen und sexuellem Missbrauch. Die Erfolge der KLAPSE, die im Laufe der Zeit viele Auszeichnungen für ihre Inhalte und ihre Gestaltung erhalten hat, und die tägliche Arbeit an der Zeitung haben sich auch auf den Unterricht an der Alfred-Adler-Schule ausgewirkt. Die Arbeit an den eigenen Texten, das Schreiben, Lesen, Besprechen und Überarbeiten waren schließlich mindestens genau so wichtig wie etwa die Arbeit mit Texten bekannter Schriftsteller und Dichter im Deutschunterricht.

Die Information der Öffentlichkeit über das Leben mit psychischen Erkrankungen und die Behandlung in der Psychiatrie und der Abbau von Vorurteilen waren immer noch wichtig. Allmählich stellte sich aber heraus, dass dies allein nicht alles war. Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer machten die Erfahrung, dass das Schreiben persönlicher Texte auch an sich einen großen Wert hat. Viele KLAPSE-Leserinnen und Leser kennen vielleicht aus eigener Erfahrung Gefühle der Erleichterung, des Trostes oder einer inneren Ordnung, das man haben kann, wenn man Tagebuch führt oder einen Brief an einen guten Freund oder eine gute Freundin schreibt. Wer über Erlebtes schreibt, denkt in Ruhe über sich und andere Menschen nach und lernt sich oft selbst ein bisschen besser kennen. Die Texte, die dabei entstehen, sind so vielfältig wie die Persönlichkeiten ihrer Autorinnen und Autoren und wie das Leben selbst: Einige schreiben eine Geschichte oder ein Märchen, erzählen einfach von sich oder schreiben ein Gedicht oder ein Lied, führen ein Interview oder zeichnen oder malen vielleicht auch, denn einige Erlebnisse lassen sich besser in einem Bild darstellen und verarbeiten als sprachlich ausdrücken. Die Veröffentlichung eines Textes in der KLAPSE ist dabei oft der eigentliche Anlass für das Schreiben: wer weiß, dass er nicht nur für sich schreibt, sondern auch von anderen gelesen wird und vielleicht sogar Reaktionen auf seinen Text erhält, nimmt auch eher die Anstrengungen auf sich, die oft mit dem Schreiben verbunden sind.

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Einseitigkeit ist langweilig! Oder: Die KLAPSE öffnet sich für Themenschwerpunkte

Wohl jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es befriedigend und befreiend ist, ein Gespräch über persönliche Probleme zu führen und dabei das Gefühl zu haben, verstanden zu werden und mit den eigenen Gefühlen und Erlebnissen nicht alleine zu sein.
Wer hätte aber gerne Freunde, mit denen er immerzu über persönliche Probleme spräche? Und wer würde auf die Dauer gerne eine Zeitung lesen, die über nichts anderes als das Leben mit psychischen Krankheiten berichtete? -
Diese Frage haben sich bald auch die Autorinnen und Autoren der KLAPSE gestellt. Dabei sind sie zu einem guten Ergebnis gekommen: jedes Heft hat fortan einen Themenschwerpunkt (zum Beispiel "Glück") und enthält neben

den persönlichen Texten auch Texte über diese wechselnden Sachthemen, an denen alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam arbeiten. Dadurch wird die KLAPSE vielseitiger und interessanter.

Die KLAPSE öffnet sich für alle kranken Schülerinnen und Schüler der Alfred-Adler-Schule

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Auf unserer Zeitreise sind wir nun allmählich in der Gegenwart angekommen. Während sich die KLAPSE entwickelt hat, hat sich auch die Schule verändert: die Schule in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist nun schon lange eine von drei Abteilungen der Alfred-Adler-Schule. Auf dem Titelblatt der KLAPSE steht aber nach wie vor, sie sei eine "Zeitung der Schule in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Düsseldorf". - Klar, dass sich hier etwas ändern muss! Wo sollen denn die Schülerinnen und Schüler aus dem Evangelischen Krankenhaus oder aus den Universitätskliniken oder der Kaiserswerther Diakonie ihre Texte veröffentlichen? Die Alfred-Adler-Schule braucht eine Zeitung für alle ihre Schülerinnen und Schüler - ob sie nun eine psychische Erkrankung haben oder wegen anderer Krankheiten lange in einem Krankenhaus behandelt werden!

Die Leserinnen und Leser wie die Zeitungsmacherinnen und -macher dürfen also gespannt sein, denn auch die Zukunft dieser 15 Jahre alten Zeitung wird sicherlich so spannend werden wie ihre Geschichte. Was diese Zukunft uns alles bringen wird, wissen wir noch nicht. Sicher ist aber, dass die neue, alte Zeitung unter einem anderen Namen erscheinen wird.
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